Unnatural Selection

Michal Černušák

Vernissage: 
Freitag, 9. Oktober 2009 - 19:00
10. 10. 2009 - 19. 11. 2009

Die Ausstellung mit dem Titel „Unnatural Selection“ präsentiert die aktuellen Arbeiten des jungen slowakischen Künstlers Michal Černušák.

Černušák geht in seinen Arbeiten auf aktuelle gesellschaftliche Ereignisse ein und reagiert auf Problematiken, die nicht selten einen politischen Kontex aufweisen. In seinen Gemälden nimmt er Bezug auf die alltäglichen Gefahren und Risiken der politischen Macht, der globalen Industrie, der Wissenschaft und der Forschung, der neuen Technologien und nicht zuletzt der Informationsflut der Medien, die in vielen Fällen mit Strategien der Manipulation und der Spekulation arbeiten.

Beim Betrachten der neuesten großformatigen Gemälden des Autors liegt die gute alte Wahrheit nahe, dass die größte Gefahr für die Menschheit seine eigene Art darstellt. Čenušáks monumentale Kompositionen erinnern an apokalyptische Visionen, in welchen sich die Vergangenheitsbezüge mit Bildern der Zukunft vermengen.

Als Charles Darwin vor 150 Jahren seine auf dem Konzept der natürlichen Auswahl basierende Evolutionstheorie veröffentlichte, erschütterte er nicht nur die Naturwissenschaften in ihren Grundlagen, sondern auch das gesamte Gedankensystem der westlichen Kultur und Religion. Die Idee, dass alle Organismen eine gemeinsame genetische Basis haben und eine große biologische Gemeinschaft bilden, bringt dauerhafte Verantwortung mit sich.

Černušák geht es in seinen jüngsten Werken weniger um eine direkte Auseinandersetzung mit der Evolutionstheorie, vielmehr reflektiert er den modernen wissenschaftstechnologischen „Wahnsinn“, der unser Leben und unsere Umwelt prägt.

Er entwickelt Geschichten mit offenem Ende, deren Protagonisten Wissenschaftler, Forscher, Ärzte oder Techniker sind. Anstatt falschen Moralisierens werden wir von der faszinierenden Farbenpracht und der formalen Mannigfaltigkeit seiner Kompositionen, die in einem raumzeitlichen Vakuum schweben, überwältigt. Die Harmonie der Farben kollidiert jedoch mit den narrativen Fragmenten, in die seine Darstellungen zerfallen.

Im Gemälde Biotech intervention (2009) erforschen drei in weiß gekleidete Personen etwas Undefinierbares, das sich in eine amorphe Materie umwandelt und den Bildraum aufzufressen droht - wie die Flammen in Dantes Inferno.

Es drängt sich die Frage auf, ob die dargestellten Personen wissen, was sie tun oder ob sie über ihren Forschungsgegenstand schon längst die Kontrolle verloren haben.

Die Kausalitäten des menschlichen Handelns sind auf diesen Gemälden von einem Geheimnis umhüllt. Die apokalyptischen Motive erinnern nicht zufällig an die monumentale sakrale Malerei. Gottes Ordung wird in Černušáks Darstellungen jedoch durch den wissenschaftlich-technischen Chaos der (Post)moderne ersetzt.

Gabriela Kisová

Michal Černušák

(Biografie Link zu Artist Seite von Cernusak)