Räumlich

räume offengelegt

Vernissage: 
Mittwoch, 16. November 2011 - 19:00
16. 11. 2011 - 16. 1. 2012

Space # 2

Miriam Bajtala, Marianne Lang, Nikolaus Eckhard, Sarah Pichlkostner, Christian Bazant Hegemark, Rastislav Podoba, Barbara Doser, Hofstetter Kurt

BARBARA DOSER

„cover_un_cover.“ 2011

Barbara Doser hat in der vorliegenden Projektion eines ihrer Visuals in den drei dimensionalen Raum geholt, indem sie ihren Körper als Projektionsfläche eingesetzt hat. Diesen hat sie dann mit einer Transparentfolie immer wieder aufs Neue ver- bzw. enthüllt, um sich so wortwörtlich in ihre Arbeit einzuhüllen. Das Ursprungsmaterial hierfür bildet eines der von Doser geschaffenen Visuals basierend auf einem so genannten Video-Feedback. Dabei richtet die Künstlerin eine Video-kamera auf einen Bildschirm, der gleichzeitig das gefilmte Bild der Videokamera zeigt. Die dabei entstehenden Muster und Formen werden von der Künstlerin dahingehend verändert, dass dabei eine spezielle Matrix entsteht. Durch die Reduktion der Formen auf ihre Umrisslinien kommt es dann zu feldübergreifenden Linienstrukturen innerhalb dieser Matrix, die allerdings mit den ursprünglichen Formen nur mehr „verwandt“ sind.

1961 geboren in Innsbruck
1989 Promotion Kunstgeschichte in Innsbruck
Seit 1998 Zusammenarbeit in internationalen Medienkunstprojekten Sunpendulum und Parallel Media mit Hofstetter Kurt

HOFSTETTER KURT

„Die kubische See“ 2011

Seit 2002 beschäftigt sich Hofstetter Kurt mit Zirkelkonstruktionen des irrationalen Verhältnisses Phi bzw. des Goldenen Schnittes. Seine daraus resultierenden Erkenntnisse setzte er seitdem in verschiedenen Kunstwerken um. Unter anderem führten seine Zirkelkonstruktionen auch zur Generierung von Mustern. Daraus geht auch seine 2003 neu entwickelte Methode der „Induktiven Rotation“ hervor. Trotz regelmäßiger Wiederholvorschrift entstehen Asymmetrien in potenziell unendlichen Mustern (Parkettierungen/ tilings), die den Rezipienten wieder an die Grenzen der Wahrnehmung führen und bislang nirgendwo anders wieder zu finden sind. (Vgl. dazu Barbara Doser in: Hofstetter Kurt – ZART una cantata moebius, Hrsg. Kiesler Stiftung, Wien 2010)

1959 geboren in Linz
Seit 1998 Zusammenarbeit in internationalen Medienkunstprojekten Sunpendulum und Parallel Media mit Barbara Doser

MARIANNE LANG

1. Fensterzeichnung, 2011

Die Zeichnung verarbeitet räumliche Elemente, die an der vorhandenen Architektur der Galerie andocken, in der Slideshow (die ebenfalls die Architektur von Galerieräumen thematisiert) verwendete Fragmente aufgreifen und den Raum spielerisch erweitern. Die Zeichnung wird sowohl lineare wie auch flächige Schichten vereinen und durch die weiße Farbe einen Körper bekommen. Durch ausgesparte Bereiche und das durchscheinende Fensterglas wiederum können interessante Blickpunkte zum vorhandenen Innen- und Außenraum in die Zeichnung eingearbeitet werden.

2. Circuit, Slideshow (80 slides), 2011

In der Arbeit "Blank Box" visualisiert Marianne Lang mittels Dia- und videoprojektionen. Den menschlichen Größenverhältnissen in Format und Perspektive angepasst, erzeugen die Aufnahmen, die Türen und Schaufenstern gleichen, die Illussion einer Raumerweiterung. Formal inspiriert stellen die einzelnen Modelle bzw. deren Abbildungen architektonisch Zitate tatsächlich existierender Räume dar.
Die Künstlerin initiiert damit ein philosophisch-poetisches (Verwirr-)Spiel, bei dem Perzeptionsgewohnheiten und Realitätsdefinition geprüft und hinterfragt werden. Ist die Welt (wie wir sie zu kennen glauben) voll von konstruierten Illusionen oder ist sie bereits selbst ein illusorisches Konstrukt? Es kommt zu einer Annäherung, einem Verschwimmen. Konstruktion und Illusion nivellieren sich gegenseitig, strafen einander Lügen, werden analog.

3.„Diffusion“, 2011

Von der kappengewölbten Kellerdecke hängen stalagtitengleich zapfenartige Gebilde. Diese bestehen aus Aluminiumfolie und Dämmwolle – typischen Materialien, wie sie in Tiefgeschossen zur Anwendung kommen, um das Gebäude vor Kälte und Feuchtigkeit zu schützen. Die Gebilde verfolgen jedoch keine praktische Funktion, sondern suchen vielmehr eine gezielte Irritation beim Betrachter auszulösen. Die Profilierung und die Formensprache der Objekte erinnern dabei bewusst an sogen. „Pfettenbretter“, wie sie in Dachstühlen von alten Bauernhäusern im süddeutschen Raum anzutreffen sind, um die Gehöfte unter anderem vor übernatürlichen Kräften und bösen Geistern zu schützen.
Marianne Lang arbeitet immer wieder mit Stilzitaten, die sie ihrer Umwelt entnimmt, um sie andernorts mit geänderten Kontext wieder einzupflanzen.

1979 geboren in Graz
2005 Diplom bei Prof.Dieter Kleinpeter für Malerei und Neue Medien

MIRIAM BAITALA

„der Geschmack (Nr.1)“, 2011

Baitala stellt sich in ihrer Arbeit die Frage, was mit der Identität einer portraitierten Person passiert, wenn sie mehr oder weniger auf ihren Hintergrund, auf das was sie täglich umgibt,

reduziert wird. Die 3-teilige Arbeit „Der Geschmack (Nr.1)“ ist der erste Baustein einer groß angelegten Serie von Familienportraits, die sich mit Herkunft, Identität und Assimilation beschäftigt. Jedes “Geschmackspaar” besteht dabei aus der Kernfamilie -Mutter, Vater, Kind (Geschwister).
Die Serie ist, so Baitala, eine Art Feldstudie, die sich mit Familienstrukturen und sozialen Hintergründen befasst. Hierfür sind vor allem die “...Wechselbeziehungen zweier Räume - dem ökonomisch-sozialen Bedingungen und dem der Lebensstile-, das sich dem Bemühen verdankt, den Weberschen Gegensatz von Klasse und Stand neu zu überdenken...” (Zitat: Pierre Bourdieu, Die feinen Unterschiede, Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft, Seite 11/12).

1970 geboren in Bratislava
1989 -1096 Kunstgeschichtestudium an der Universität Wien
1996 -1998 Lehrgang für Elektrikakustik an d. Hochschule f. Musik u. darstellende Kunst
1998 -2002 Akademie der bildenden Künste bei Eva Schlegel

NIKOLAUS ECKHARD

„MA28“, 2011

Das Video beschäftigt sich mit automatisierten Abläufen im urbanen Raum. Zu sehen ist ein Bildausschnitt einer klassisch städtischen Überwachungskamera. Eine nach oben laufende Rolltreppe und ein scheinbar in alle Richtungen offenes Untergeschoß. Nach und nach tauchen immer mehr Gestalten im Bild auf. Scheinbar ferngesteuert aber ohne erkennbares Ziel bewegen sich diese „zombiähnlich“ auf der unteren Etage. Sie benützen jedoch nicht die Rolltreppe, was allerdings nur noch eine Frage der Zeit zu sein scheint. Eckhard hinterfragt in seinem Endzeitszenario nicht unkritisch automatisierte Prozesse unserer Zivilisation, die auch noch nach unserem Tod fort laufen, wie z.B. Daueraufträge, dem selbstständigen an- und ausgehen von Lichtern, Radioweckern oder eben eine Rolltreppe, die scheinbar endlos weiterläuft. Die Bezeichnung MA28 steht für die Wiener Magistratsabteilung 28 für Straßenverwaltung und Straßenbau, die unter anderem auch für die Überwachung des öffentlichen Raums zuständig ist.

1987 geboren in Horn
Studium Film an der Akademie und Soziologie an der Universität Wien
Mitglied der Ölfilmproduktion

SARAH PICHLKOSTNER

„räumlich“ 2011

Pichlkostner geht in ihrer Arbeit vom Gedanken des »Ganzen« aus. Die dem Betrachter zugewandte vordere Seite des Bildobjekts besteht aus weißen handgeschöpften Papierblättern, die in regelmäßigen Abständen auf grauem Filz so angeordnet sind, dass an den einfach überlappenden Stellen der Filz in Form von hellgrauen Rechtecken noch recht gut auszumachen ist. Hingegen an den Stellen, wo sich die einzelnen Papierblätter überlappen, ist dieser nicht mehr rekonstruierbar. Gerahmt wurde die Projektionsfläche durch eine Stahlkonstruktion, die gleichzeitig als Verstärkung der Behauptung des Zusammengefassten und somit auch der Behauptung einer Bildkonstruktion im herkömmlichen Sinne dient. Die Künstlerin verfolgt mit ihrer Arbeit die Absicht eine Debatte über das Bildobjekt an sich entstehen zu lassen. Hierbei ereignen sich Dialoge zwischen den jeweiligen Einzelteilen, hervorgerufen in der Unterschiedlichkeit von Materialität und Struktur.

1988 geboren in St.Johann im Pongau
2002 Studium an der Akademie der bildenden Künste bei Hans Schriel und Gunther Damisch
2010 Fügerpreis der Akademie der bildenden Künste in Wien

CHRISTIAN BAZANT HEGEMARK

"Equilibrium"2010

Ganz allgemein bezeichnet das Wort Equilibrium den Zustand der Ruhe ausgelöst durch das Zusammenwirken zweier oder mehrerer Kräfte, die sich aufheben.
In der Arbeit "Equilibrium", setzt sich Bazant-Hegemark mit dem Thema, das ihn besonders beschäftigt auseinander, nämlich dem Zweifel am Abbild. Für ihn stellt sich die Frage: „Wie bilde ich diesen Zweifel ab? Ich stehe ja in einer konkreten figurativen Tradition, sehe aber nun: auch wenn ich detailverliebt etwas abbilde, komme ich damit keinem Gefühl, keiner Wahrheit näher. Ich habe dazu auch keine Strategie. Aber ich bin mir bewusst, dass dies ein heikles Unterfangen ist. Ich nutze in meinen Arbeiten formale Mittel, zeige eine Szene zum Beispiel aus verschiedenen Blickwinkeln, in Überlagerungen, in Fragmenten... Wiederkehrendes Merkmal in meinen Arbeiten ist nicht das Abbild, sondern die Behauptung desselben. In Konsequenz werden nicht nur Einzel-Teile, sondern die Integrität des Ganzen zur Disposition gestellt", so Bazant-Hegemark. (Vgl. dazu Matthias Osiecki in: http://oe1.orf.at/artikel/242971, 07.11.2011, 16:00h)

1978 geboren in Mödling
Studium an der Akademie der bildenden Künste bei Harun Farocki
2010 Preisträger des Fohn-Stipendiums

RASTISLAV PODOBA

„Serie ROM“ 2011

Die Arbeiten von Podoba zirkulieren um das Thema Raum, ob es sich dabei nun um die Abbildung einer Landschaft oder eine Gestaltung einer fiktiven Raumsituation handelt. Dabei haben die Gemälde von Podoba immer etwas Träumerisches und lassen die Grenzen zwischen abstrakter und figurativer Malerei verschwinden. Seine Arbeit ist der eines Fotografen nicht unähnlich, wenn er z.B. durch das Abbilden unterschiedlicher Standpunkte probiert ein Bildnis zu erschaffen. Wie beim Entwickeln eine Fotografie in der Dunkelkammer erscheinen auch bei Podoba die Konturen vorerst nur sehr zaghaft. Der Künstler meint dazu, dass es für ihn wohl der spannendste Moment sei, wenn er beginnt das finale Image zu erahnen. Schlüssel im Werk Podobas ist der Grenzmoment der Gleichzeitigkeit, in dem man noch nichts Genaues weiß aber das Geheimnis schon erahnen kann.
Bei der „Serie Rom“ handelt es sich um die Abbildung von Innenräumen, einer Kirche und einer Kapelle. Hierbei interessierte sich Podoba speziell für das Verhältnis von Fläche zum Räum bei schwacher bis diffuser Beleuchtung.

1975 geboren in Banovce nad Bebravou
1996 – 2002 Vvsoka skola vytvarnych umeni
Academy of Fine Arts and Designs in Bratislava, Abteilung Malerei und andere Medien
Studio KR.E.S.BA (Creative – experimental Studio – Bratislava) bei Prof. V.Popvic
Open Studio bei Prof. R.Sikora