How sweet to be a cloud

Tina Greisberger, Julia Geiszler, Renate Krammer, Helga Cmelka, Robert Svoboda, Flora Zimmeter

Vernissage: 
Samstag, 20. Januar 2018 - 17:00
23. 1. 2018 - 3. 3. 2018

HOW SWEET TO BE A CLOUD

Tina Greisberger, Julia Geiszler, Renate Krammer, Helga Cmelka, Robert Svoboda, Flora Zimmeter

 

Eröffnung: SA 20. 01. 2018, 17 Uhr

Ausstellungsdauer: 23.01.2018 – 03.03.2018

 

... So wie die Wolken ihr Spiel in einem Zwischenreich, zwischen Himmel und Erde treiben, ist auch ihr Wesen durch dieses „Dazwischen“ definiert. (Berthold Ecker, Katalog: stark bewölkt, flüchtige Erscheinungen des Himmels, MUSA 2009)

 

...Wolken scheinen in der Bildenden Kunst, in der Literatur und der Musik ein unerschöpfliches Thema zu sein. Maler und Fotografen hielten und halten Wolkenszenarien in ihren Bildern fest. Es gibt wissenschaftliche, kunsthistorische, literarische Texte zum Thema Wolken und ich möchte

mit einigen literarischen Wolkenzitaten auf die Ausstellung einstimmen.

Denn: ... So wie die Wolken ihr Spiel in einem Zwischenreich, zwischen Himmel und Erde treiben, ist auch ihr Wesen durch dieses „Dazwischen“ definiert. (Berthold Ecker, Katalog: stark bewölkt, flüchtige Erscheinungen des Himmels, MUSA 2009)

Der Titel der Ausstellung geht auf den „Cloud Song”  von The United States of America – einer psychedelische Rockband in den 1960er-Jahren. Mit How sweet to bei a cloud zitieren sie Winnie the Pooh von AA Milne. Ungefähr zeitgleich wollten die Rolling Stones in Get Off of My Cloud niemanden auf ihrer Wolke dulden und Reinhard Mej schwärmte davon dass über den Wolken die Freiheit wohl grenzenlos sei.

Positiv oder negativ besetzt sind die in der Literatur beschriebenen Wolkenstimmungen. Der Bogen spannt sich von bedrohlichen, schwarzen, grollenden Wolken, ausfransenden Wolkenkörpern, dahinfahrenden Wolken, leichten oder regenschweren, fetten, satten Wolken, Wolken die in den Himmel gesogen werden bis zu weißen Wolkenstricken und einhüllenden, sanften Schäferwölkchen.

 

Wenn man auf die „Wolken“ in den Texten achtet, merkt man, dass sie oft ähnlich wie die Musik bei Filmen eingesetzt werden. Der Auftritt der Wolken kündigt an was kommt:

... Es begann an einem makellos schönen Nachmittag – am ersten Sonntagnachmittag im Juli. In der Ferne schwebten zwei, drei weiße Wölkchen, wie anmutig und gewissenhaft in den Himmel gesetzte Kommata.. ...  Haruki Murakami, „Die Geschichte mit der armen Tante“  

oder Schwärzliche Wolken überzogen wie eine Decke den Himmel, und es wurde so dunkel, dass einer das Gesicht des anderen kaum noch erkennen konnte. ...

... „Denn du warst dort. Und ich war bei dir und habe dich gesehen. Vor langer Zeit. Am Strand. Der Wind wehte, weiße Wolken standen am Himmel, und es war immer Sommer.“... 

Haruki Murakami ,„Kafka am Strand“

 

Heinz D. Heisl erzählt in seinem Roman Abriss von Ausfransende Wolkenkörper, Wolkenfiguren, die sich nicht halten konnten, im haltlosen Blau des Himmels, Wolkenfäuste die sich schlossen, Wolkenfäuste die sich öffneten.  Wolkenkrusten … Wolkenschorf … Wolkenkringel … Wolkenzöpfe …

 

In Gerhard Roth „Winterreise“: Die Wolken flogen tief und schnell, und als Nagl aufschaute, kam es ihm vor, als blicke er in ein gewaltiges Meer über seinem Kopf, das über die Erde strömte …

... Dann dachte er an die niedrig fliegenden Wolkenströme, an die Kinder, die beim Begräbnis unter ihnen hergelaufen waren, dann sah er wieder die Weltkugel von außen, bedeckt von weißen Wolkenwirbeln, ein blauleuchtender Planet von so großer Schönheit ...

 

Wolken immer wieder als Symbol für Freiheit:

In Bjarne Reuter, „Die Himmelsstürmer“: Über ihnen trieben die Wolken wie schwarzer Marmor; der Asphalt unter ihnen zeigte dieselbe Farbe und Hast.

... Über ihnen haben die Wolken endlich Fahrt aufgenommen und ziehen vorbei, als wollten sie den Himmel sauberfegen. Bjarne Reuter, „Das Zimthaus“

 

Wolken in der Lyrik und ganz poetisch:

Flieg durch dein Zimmer zum Fenster hinaus, wein in die Wolken, sing eine Bienenmelodie, aber erzähl niemandem, dass du einsam bist. Georg Kreisler, „Über die Einsamkeit“aus „Worte ohne Lieder

 

Wolken in Zitaten, man schwebt wie auf Wolken, man war/ist auf Wolke 7

 

und Wolken um Seelenzustände, Befindlichkeiten, Hoffnungen beschreibend:

(Marie Simonet)

eine Wolke, eine einzelne flockige Wolke vor mir, sie raste auf mich zu

ich bin in das Weiss dieser Wolke gestiegen, das war mein Leben

mein Kopf hat sich weit aufgetan, auch in diese Wolke hinein,

Katharina Faber, „Manchmal sehe ich am Himmel einen endlos weiten Strand“

 

Und die Augen hinaufzudrehen, ohne den Kopf zu heben. Und am Himmel eine Wolkenecke suchen an die man seine Knochen hängen kann. Wenn ich mich vergessen und den himmlischen Haken gefunden hatte, hielt er mich fest. Oft gab es keine Wolke, nur einerlei Blau wie offenes Wasser. Oft gab es nur eine geschlossene Wolkendecke, einerlei Grau.

Oft liefen die Wolken, und kein Haken hielt still.

Herta Müller, Atemschaukel, Carl Hanser Verlag München 2009

 

Wolken in den Märchen wie in den „Schräge Märchen“ von H.C. Andersen, Die Dryade,

... Die Wolken erhoben sich, nahmen die Gestalt eines ganzen Gebirges an, schoben sich vor durch die Luft, über die ganze weite Landschaft hin, so weit die Dryade spähen konnte.

Die Wolken lagen wie schwarzblaue mächtige Felsblöcke geschichtet hoch in der Luft. Blitzstrahlen fuhren heraus, ...„Alles geht dahin!“ sagte die Dryade, „es geht dahin, wie die Wolke, und kehrt niemals wieder!“ „Ich komme dahin, in die Stadt aller Städte!“ jubelte sie. „Das Leben fängt an, schwillt wie die Wolke, keiner weiß, wohin sie treibt.“ ...

 

Oder ganz schlicht und einfach wie in dem Gespräch einen älteren Mannes mit einem Jungen:

„Son, weißt du, wie Liebe anfangen sollte?“

Der Junge saß ganz klein und stille da und hörte zu. Er schüttelte langsam den Kopf.

Der alte Mann beugte sich näher heran und flüstere:

„Ein Baum. Ein Felsen. Eine Wolke.“

„Ein Baum, ein Felsen, eine Wolke“ Carson McCullers, Gesammelte Erzählungen

 

Kein neues, sondern ein altbekanntes Thema und trotzdem ein immer wieder aufgegriffenes Sujet und das obwohl „jeder Versuch doch in Vergeblichkeit enden muss“.(Jeder Versuch, die Wolke wirklich zu schildern, die oben vom Horizont kommt und zum anderen fliegt, muß schnell geschehen und muß doch in Vergeblichkeit enden.  „Die Wolke“, Günter Kunert, 1978, Katalog: stark bewölkt, flüchtige Erscheinungen des Himmels, MUSA 2009)

 

How sweet to be a cloud

Floating in the blue

It makes us very proud

To be a little cloud

The United States of America, “cloud song”