Die Welt hinter den Dingen

Robert Mittringer

28. 11. 2008 - 16. 1. 2009

„Vom Fundstück zum Kunststück“- auf einen Nenner gebracht, beschrieben diese vier Worte im Kern die künstlerische Arbeitsweise von Robert Mittringer. Gemeint ist des Künstlers unbedingtes Interesse am Material als Ausgangspunkt und Träger der künstlerischen Botschaft. Das „Fundstück“, der Einstieg in den Schaffensakt liegt in der unmittelbaren Umgebung des eigenen Lebensmittelpun­ktes. Materialien, die gemeinhin gerne als „arm“ bezeichnet werden, wie etwa Holz, Karton, Ziegel, Papier oder Kohle versieht Mittringer mit kleinen Gesten, kleinen Setzungen. Aus dem Vorgefundenen – nicht selten „Gebrauchtes“, das die ursprünglich zugetragene Aufgabe schon lange vollbracht hat – werden Neukonstellationen, Artefakte, die sich als Kunst deshalb behaupten, weil sie trotz der vielen Referenzen an eine Vergangenheit als Nutzobjekte sich jeder weiteren Positionierung entziehen.

Mittringers Arbeiten sind Manifestationen der Notwendigkeit, Vorgefundenes – die Welt – zu interpretieren, weiterzudenken, sich am Bestehenden zu bewähren, es nicht nur zu ergänzen, sondern sich daran zu prüfen. Einer materialimmanenten Aleatorik kommt dabei eine wesentliche Rolle zu: Der Zufall wird produktiv nutzbar gemacht und der Gegenstand behält seine eigene Sprachlichkeit, bleibt als Werkstoff erkennbar. Mittringer lässt uns die Dinge, die den Alltag prägen, neu sehen. Seine Arbeiten hinterfragen die Übereinkunft zur Dinglichkeit der Welt. Er zwingt anscheinend Unvereinbares in einen schöpferischen Dialog, schweißt es zu einer befreienden Kollision oder humorvollen Kombination zusammen.

Grundlegend für das kontinuierliche Schaffen ist die Freude am Objektwerden von Idee und Materie – ausgelöst durch das plötzliche und zufällige Entdecken und Gewahrwerden ebendieses Potentials zum Objekt. Robert Mittringer praktiziert die künstlerische Arbeit als Intervention beziehungsweise Adaption der umgebenden Wirklichkeit zur Verwendbarkeit als Kunstwerk.

In der Kro Art Gallery zeigt Robert Mittringer mit der so genannten „Kubinmappe“ eine Reihe von Zeichnungen, deren reine Materialität – das Papier, die Grundfläche – bereits vor dem Schaffensakt nicht mehr „rein“ und „unschuldig“ ist, sondern aufgrund einer Patina aus Gebrauchsspuren den Ausgangspunkt für den künstlerischen Dialog beschreibt. Zudem präsentiert er eine Reihe bildhauerischer Arbeiten, deren Formensprache – ein Kreuz oder eine Leiter – sich aus immer wiederkehrenden Paradigmen seines Werkes speist. So etwa auch die Fassadensitzer, die genealogisch den großen, schreitenden, hölzernen Figuren nachfolgen: klar, kantig, überlebensgroß und unheimlich in ihrer Anonymität.

Robert Mittringer

Robert Mittringer wurde 1943 in Oberösterreich geboren.
Er war Mitbegründer der Künstlerkollektive „Donauhunde“ und „K5“.
Seine Arbeiten wurden international gezeigt und befinden sich in namhaften Sammlungen.
1998 wurde er mit dem Preis der Stadt Linz ausgezeichnet; 2001 mit dem Landeskulturpreises des Landes Oberösterreich.
Robert Mittringer lebt und arbeitet auf seinem Hof in Eferding, Oberösterreich.