Baroque Suite

Ona B., Helga Cmelka, Simon Goritschnig, Ina Loitzl, Claudia Maria Luenig, Pia Mayer

Vernissage: 
Freitag, 9. September 2016 - 18:00
13. 9. 2016 - 11. 11. 2016

Das Wort Baroque entstammt ursprünglich der portugiesischen Sprache, in der unregelmäßig geformte Perlen als barroco bezeichnet wurden, d. h. „schief“ oder „ungleichmäßig“. Über das Italienische (barocco) und das Französische (baroque, zuerst belegt 1701 im Sinne von „bizarr“) gelangte das Adjektiv ins Deutsche. Wesentliches Gestaltungselement des Barocks und Rokokos ist der obssesive Einsatz von Stuck bzw. Stuckatur (plastischen Wand- und Deckengestaltungen) mit opulenten, skulpturalen Formen. Barock bezeichnet in langläufigen Sprachgebrauch auch formal sinnlich/festlich/o­pulent, gut leben und genießen und nicht zu schlank sein.

Vorwiegend die katholische Kirche und regierenden Fürsten benutzten die Barockkunst, um ihren Reichtum und ihre Macht zu zeigen. Sie waren bestrebt, sich gegenseitig an Prachtentfaltung zu übertreffen. Katholiken schufen der Inbegriff des „Barock“: sie liebten füllige Formen, es sollte nicht einfach und gradlinig hergehen, sondern geschwungen, mit vielen Bildern und Engeln, mit Prozessionen in großer Farbigkeit. Der barocke Absolutismus fand seinen Niederschlag der Kunst durch das Streben nach dem Schöpfen eines Gesamtkunstwerks. Dies wird durch den gemeinsamen Einsatz verschiedener Kunstgattungen erzielt. Am besten ist uns dieses barocke Kunstverständnis in der Oper – mit ihrer Einheit aus Wort, Musik, Handlung und Bühnenbild erhalten.

Ihren stärksten Ausdruck fand die Barockkunst in der Architektur. Alle strengen Ordnungen der Renaissance werden aufgelöst: schwingende, konkave und konvexe Formen, Kuppeln, Säulengruppen, Giebel und Fensterbekrönungen mit reichem ornamentalem Schmuck rufen in dem Betrachter den Eindruck von Kraft und Bewegung hervor und bewirken eine Steigerung aller Wirkungen. Dabei ordnen sich die Einzelformen dem Gesamtkunstwerk unter, Lichteffekte werden genutzt, und auch Malerei, Skulptur und Plastik sind in den architektonischen Rahmen einbezogen.

Auch die Planung der Parkanlagen erfolgte in direkter Zusammenarbeit mit den Architekten der Residenzen. Vor der Gartenfassade des Schlosses befindet sich das Parterre. Die terrassenartigen Flächen in nächster Nähe des Schlosses sind am prächtigsten dekoriert und für die Draufsicht aus der Beletage geschaffen. Ornamentale Rasenflächen, Blumenrabatten, beschnittene Buchsbäumchen und Wasserspiele bilden barocke Formenelemente und Figuren. Die Flächen werden mit buntem Kies bestreut und ahmen feine Stickereien nach, diese so genannten Broderieparterres sind der künstlerische Höhepunkt eines Barockgartens.

Zentrales Motiv der barocken Kirchen wurde der Himmel, in den man mit den in der mystischen Schau geöffneten Augen der Heiligen ein Blick werfen kann. Die Malerei soll die Heilsgeschichte und Heiligenlegenden für die Betrachter in möglichst suggestiver Weise transportieren. Aus diesem Auftrag heraus erwächst das den Stil prägende Spannungsverhältnis zwischen den die Realität transzendierenden Inhalten und einer oft bis an die Grenze des Naturalismus vorstoßenden Darstellungsweise. Und natürlich hieß ein gottgefälliges Leben auch das „Gute Leben“ im Diesseits zu erkennen, anzunehmen, zu schätzen und sich daran zu erfreuen. Die katholische Kultur war sozusagen der klassische Barock, der ganz in „Muße und Verschwendung“ aufging: das Leben in vollster Sinnesfreude mit Genuss für Augen, Ohren und Nasen repräsentierten sowohl weltliche als auch klerikale Fürsten durch pompöse, verzierte Gebäude, zahlreiche Prachtbauten und Feste und Prozessionen in Hülle und Fülle.

Die Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung haben sich mit den signifikanten Aspekten der Barocken Geisteshaltung beschäftigt und die einzelnen Kunstwerke so kommunizierend und interagierend aufeinander abgestimmt dass nach dem Prinzip des Barocken Kunstverständnisses ein thematisches Gesamtkunstwerk geschaffen wurde.

[In dem Text finden sich zum Teil Zitate aus Wikipedia]